Drei Wochen Bauernhof in der Obersteiermark - eine ganz besondere Erfahrung

Als ich vor drei Wochen auf dem Bauernhof von Lukas Reif in Scheifling in der Obersteiermark angekommen bin, wusste ich noch nicht genau, was mich erwarten würde. Heute kann ich sagen: Diese drei Wochen waren eine ganz besondere Erfahrung, die ich nicht so schnell vergessen werde.

Mein Alltag begann im Stall. Ich kümmerte mich um das Füttern und Versorgen der Kühe und Kälber, säuberte den Stall, verteilte Stroh und reinigte täglich den Melkroboter. Schon nach kurzer Zeit waren mir die Abläufe vertraut und ich bekam einen ganz anderen Einblick in die tägliche Arbeit eines Bauernhofes. Dabei wurde mir bewusst, wie viel Arbeit, Verantwortung und Herzblut hinter der Landwirtschaft und der Versorgung der Tiere steckt.

Irene bei der Arbeit im Stall
Ein Selfie von Irene, im Hintergrund grillen zwei Männer

Aber meine drei Wochen waren viel mehr als nur Arbeit im Stall. Ich durfte das komplette Leben der Familie miterleben. Lukas lebt mit seiner Tochter, seinen Eltern und seinem Bruder auf dem Hof. Auch sein achtjähriger Sohn, der bei seiner Mutter wohnt, war fast immer bei uns. Dieser kleine Mann war für mich etwas ganz Besonderes – mit seinen acht Jahren war er schon ein richtiger kleiner Bauer. Er kannte sich aus, war überall mittendrin und half ganz selbstverständlich mit. Es war wunderschön zu sehen, mit wie viel Begeisterung er dabei war.

Ich wurde von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und fühlte mich schnell als Teil der Familie. Dazu gehörten auch die schönen Momente außerhalb des Hofes. Der jüngste Sohn spielt Trompete in mehreren Orchestern und wir durften ihn bei seinen Auftritten begleiten. Gemeinsam haben wir ihm beim Musizieren zugehört – Erinnerungen, die für mich genauso zu diesen drei Wochen gehören wie die Arbeit im Stall.

Eine Seite der Landwirtschaft, die nachdenklich macht

Während meiner Zeit am Hof habe ich aber auch eine Seite der Landwirtschaft kennengelernt, die mich sehr beschäftigt hat: die Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft.

Lukas hat mir erzählt, dass bei der Milchabnahme die Menge eine große Rolle spielt: Je mehr Liter Milch ein Betrieb liefert, desto höher ist der Preis pro Liter. Für kleinere Bauernhöfe mit weniger Kühen bedeutet das, dass sie für ihre Milch weniger bekommen können als größere Betriebe.

Dazu kam in dieser Zeit die lange Trockenheit. Vielerorts ist nicht genügend Futter gewachsen, sodass Betriebe Futter zukaufen mussten. Gleichzeitig laufen die täglichen Kosten und die Arbeit auf den Höfen natürlich weiter.

So bekommt man plötzlich eine ganz andere Vorstellung davon, was hinter einem landwirtschaftlichen Betrieb steckt. Von außen sieht man vielleicht Kühe auf einer Weide und einen schönen Hof in den Bergen. Wenn man aber einige Wochen mittendrin lebt, spürt man auch die Verantwortung, den täglichen Arbeitsaufwand und die Existenzängste, die damit verbunden sein können.

Gerade das hat meinen Blick auf die Landwirtschaft verändert. Ich habe noch mehr Respekt vor den Menschen bekommen, die jeden Tag für ihre Tiere und ihren Hof arbeiten – unabhängig davon, ob die Sonne scheint, es regnet oder die Bedingungen schwierig sind.

Landschaftsbild am frühen Morgen

Was bleibt

Diese drei Wochen haben mir nicht nur einen Einblick in die Landwirtschaft gegeben. Ich durfte Menschen kennenlernen, ihren Alltag teilen und für eine kurze Zeit Teil einer Familie und ihres Hoflebens sein.

Ich nehme viele schöne Erinnerungen, neue Erfahrungen und auch einige Gedanken mit nach Hause, die mich sicherlich noch lange begleiten werden.

Ich bin Lukas und seiner Familie sehr dankbar für die herzliche Aufnahme, das Vertrauen und die schöne gemeinsame Zeit. Für mich war diese Erfahrung etwas ganz Besonderes – und ich würde jederzeit wieder für einige Wochen auf einem Bauernhof mitarbeiten.

Vielleicht braucht es manchmal genau diese drei Wochen, um zu verstehen, dass hinter einem Glas Milch, einem Stück Fleisch oder einem landwirtschaftlichen Produkt nicht einfach nur ein Produkt steht, sondern Menschen, Tiere, Arbeit, Verantwortung und eine ganze Lebensgeschichte.

Ich habe noch mehr Respekt vor den Menschen bekommen, die jeden Tag für ihre Tiere und ihren Hof arbeiten – unabhängig davon, ob die Sonne scheint, es regnet oder die Bedingungen schwierig sind.
Ein Selfie von Irene mit einem Hund
Irene