Bergbauernhof hautnah - Arbeit, Natur und kleine Abenteuer

Arbeiten auf dem Bauernhof – ein Wunsch, der schon lange in mir schlummert. Rein zufällig bin ich auf „Freiwillig am Bauernhof“ gestoßen. Genau das Richtige, um einen Einblick in den Alltag auf einem Bauernhof zu bekommen. Die Anmeldung lief unkompliziert, und die Wahl des Hofes fiel mir überraschend leicht. Schon nach dem ersten Telefonat mit dem Betriebsführer Sepp wusste ich: Das ist genau der richtige Hof. Ein Bio-Bergbauernhof in der Obersteiermark mit Schwerpunkt Mutterkuhhaltung – und dazu neugierige, willensstarke Ziegen. Der Großteil der Tiere verbringt den Sommer auf der Alm, nur ein kleiner Teil bleibt auf den nahegelegenen Weiden rund um den Hof.

Zwischen Bergwiesen, Wald und Herzlichkeit

Warmherzig und sehr offen wurde ich von Familie Hutegger empfangen und meine anfänglichen Sorgen wegen des ungewohnten Dialekts legten sich schnell – schon bald fühlte ich mich mittendrin statt nur dabei.

Mein Aufgabenbereich war ebenso abwechslungsreich wie das Leben auf dem Hof: Wiesen und Weiden mit der Motor- oder Handsense vom Verbuschen befreien. Weidezäune setzen, um auch den Ziegen und Kühen auf den Weiden etwas Abwechslung zu bescheren. Im Wald die Jungbäume pflegen, damit auch diese groß raus kommen. Die Heuernte auf den steilen Bergwiesen ersetzte problemlos jeden Trainingsplan und das Spalten von Holzstämmen war deutlich meditativer als ich gedacht hätte – als besonderes Projekt durfte ich zudem beim Bau eines neuen Holzstegs am Naturbadeteich mitwirken.

Die Freiwillige Anja arbeitet an einem Zaun auf der Ziegenweide

Von Nachwuchsbauern und Almtagen

Dazwischen war immer wieder Kinderbetreuung angesagt: Obst pflücken und daraus leckeren Kuchen oder Sirup machen, Ziegen füttern, im Naturbadeteich planschen. Langweilig wurde es dabei nie und von den drei Nachwuchsbauern konnte ich einiges lernen. Jeden Samstag ging es gemeinsam auf die Alm, die auf 1.800 Metern liegt. Dort hieß es dann: Selbstversorgerhütten für die nächsten Gäste vorbereiten, Almwiesen pflegen und natürlich bei den Kühen nach dem Rechten sehen. Zur Stärkung gab es den selbst gemachten Ziegenkäse – in allerlei leckeren Variationen.

Kühe gehen über eine asphaltierte Straße während sie von der Alm abgetrieben werden

Ausdauer auf vier Hufen

Zu meinen persönlichen Highlights zählte besonders das Einholen der Kühe und Ziegen von den Weiden – eine Aufgabe, die gleichermaßen Können, Ausdauer und Geduld verlangte, inmitten der schönen Bergidylle.

Kraft tanken zwischen Berggipfeln und gemütlichen Stunden

Bei all der Arbeit durfte der Ausgleich nicht fehlen. So motivierte mich Sepp regelmäßig, die Bergstiefel zu schnüren und die Gipfel in der Umgebung zu erkunden. Abends saßen wir oft in gemütlicher Runde zusammen und tauschten uns über das Leben am Hof, die Herausforderungen der Landwirtschaft sowie unsere Zukunftsvorstellungen aus.

Eine junge Frau in Wandermontur steht neben einem Gipfelkreuz
Nach den drei Wochen bleibt vor allem eines: Noch mehr Respekt vor der Arbeit in der Landwirtschaft, sowie das gute Gefühl, mit den eigenen Händen etwas bewirkt zu haben - und die Erkenntnis, dass körperliche Arbeit in der Natur nicht nur ermüdet, sondern auch den Kopf frei macht, neue Ideen entstehen lässt und dazu ermutigt, die eigenen Grenzen zu überschreiten.
Eine junge Frau in Wandermontur steht neben einem Gipfelkreuz
Anja