Erfahrungsbericht Freiwillig am Bauernhof

Ein Sommer zwischen Ziegen

Freiwillig am Bauernhof:  Erfahrungsbericht von Rebecca

 

 

Beginn meines freiwilligen Sommers am Bauernhof

Am 15. April 2021 stand ich mit gepackten Koffern am Bahnhof einer süddeutschen Kleinstadt und wartete auf den ersten Zug, neun Stunden später kam ich auf dem Milchmädchen-Ziegenhof in der Südoststeiermark an und ein wunderschöner Sommer begann.

Da ich nicht auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufwuchs, entschloss ich mich dazu, während meines Studiums der Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim ein halbes Jahr freiwillig auf einem Bauernhof zu arbeiten, um die Landwirtschaft, die Ziegen und die typischen Abläufe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb kennenzulernen. Im Internet stieß ich auf die Ausschreibung eines Sommerjobs auf dem Ziegenhof von Sonja Trummer. Sonja und ihr Mann Günter besitzen 35 Ziegen, die jeden Tag zwei Mal gemolken werden, sowie ca. 80 Kitze; die Trummers bewirtschaften rund acht Hektar Grünland und fünf Hektar Holunder. Die Milch wird vollständig in der eigenen Käserei zu Joghurt, Topfen und Käse verarbeitet. Die Produkte werden selbst vermarktet: ein Teil über einen schönen kleinen Hofladen, der andere Teil über EinzelhändlerInnen und GastronomInnen in der Region.

 

Über „Freiwillig am Bauernhof – Steiermark“ war die Abwicklung ganz einfach und ich konnte Mitte April Richtung Österreich starten.

Wer und was mich tatsächlich erwarten würde, wusste ich noch nicht genau – da ich so weit weg wohne, hatten Sonja und ich nur telefonisch Kontakt gehabt.

 

Die ersten Arbeitstage

Am Anfang gab es sehr viel Neues zu lernen. Neben einfachen Erklärungen, welche Gebäude es gibt und wo ich alles finde – von der Küche bis zur Mistgabel – lernte ich in den ersten Wochen das Melken der Ziegen und die Arbeiten in der Käserei kennen. Schnell gehörten viele Arbeiten zu meinem neuen Alltag: Weiden einzäunen, melken, die Kitze füttern und alles, was rund um den Hof sonst noch anstand. Am Anfang dachte ich, ich würde die Ziegen nie auseinanderhalten, geschweige denn ihre Namen können.

Die Milchverarbeitung war absolutes Neuland für mich, aber Sonja nahm sich immer Zeit, mir die Arbeitsschritte genau zu erklären und mir alle Fragen rund um Milch, Joghurt, Topfen und Käse zu beantworten. Im Gespräch mit KundInnen wurde ich sicherer und konnte immer mehr Fragen zu den Ziegen und zum Käse selbst beantworten. Auch beim Zustellen der Produkte an die umliegenden Handels- und Gastronomiebetriebe wurde ich immer routinierter.

 

 

Rückblick nach 4 ½ Monaten

Neben den alltäglichen Aufgaben durfte ich auch an vielen eher außergewöhnlichen Erlebnissen teilhaben. Zwei Mal brachten wir Tiere zum Übersommern auf die Alm, ich war bei einer Fahrt zum Schlachthof dabei und wir nahmen sogar an der steirischen Ziegenschau in Traboch teil. Im August war außerdem eine zweite Freiwillige auf dem Milchmädchenhof, in der ich eine wundervolle neue Freundin fand.

Viele Aufgaben kann ich nun allein übernehmen und ich freue mich, nicht nur viele neue Erfahrungen und Kenntnisse dazugewonnen zu haben, sondern auch eine Hilfe für Sonja und Günter zu sein. Die Namen der Ziegen kenne ich mittlerweile alle, inklusive ihrer Eigenheiten und Besonderheiten beim Melken.

Auch wenn es viele anstrengende Tage gab – und mit der anstehenden Holunderernte bestimmt noch anstrengende Tage bevorstehen –, hatte ich immer genug Zeit, die beiden Hütehunde Alpha und Kid, die Ziegen und Kitze sowie die beiden Katzen Elli und Gorgi ausgiebig zu streicheln.

 

"Im August war außerdem eine zweite Freiwillige auf dem Milchmädchenhof, in der ich eine wundervolle neue Freundin fand."

 

Familie auf Zeit

Eines der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe: Auf einem Familienbetrieb zu arbeiten bedeutet nicht nur Betrieb, sondern auch Familie. Die ganze Familie nahm mich sehr nett auf. Dadurch konnte ich mich schnell einleben und ganz viele wunderbare Menschen kennenlernen, die mir sehr ans Herz wuchsen. Ich durfte bei allen Familienfeiern dabei sein, die in den vergangenen Monaten stattfanden. Obwohl ich über 700 Kilometer entfernt zuhause bin, fühlte ich mich hier niemals einsam, wofür ich allen Familienmitgliedern und -freundInnen sehr dankbar bin.

 

Was noch zu sagen ist ...

Mit dem September beginnt auch mein letzter Monat hier auf dem Milchmädchenhof und ich freue mich auf die verbleibende Zeit. Ich sammelte sehr viele neue Eindrücke und neues Wissen über Ziegen und die Landwirtschaft allgemein und konnte auch persönlich wachsen.

Einmal freiwillig auf einem Bauernhof zu arbeiten kann ich allen empfehlen, die wissen möchten, wie es ist, Lebensmittel, die wir jeden Tag konsumieren, zu produzieren und mit der Natur zu arbeiten. Die Erfahrungen, die ich sammelte, werden mir in Zukunft sicher helfen – beruflich wie auch privat. Viele Erlebnisse werde ich hoffentlich mein Leben lang nicht vergessen.

Ich bin zuversichtlich, dass ich mit den Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, Kontakt halten werde und mich die Erinnerungen noch lange begleiten.

"Vielen Dank für diesen schönen Sommer im Grünen!"

Rebecca, Freiwillig am Bauernhof, 2021

Michlmädchenhof in St. Anna am Aigen - Südoststeiermark