Wiesenfuchsschwanz: Das unterschätzte Spitzengras
Der Wiesenfuchsschwanz gilt vielerorts noch immer als problematisch, weil er bereits im ersten Aufwuchs früh Halme und Blüten bildet. Doch Grünlandexperten sehen das differenzierter: Gerade in intensiv bewirtschafteten Grünlandsystemen mit fünf bis sechs Schnitten pro Jahr spielt das wertvolle Obergras seine Stärken aus.
Besonders in Jahren mit unsicherer Wetterlage kann ein etwas früherer Schnitt notwendig sein. Genau hier liefert der Wiesenfuchsschwanz einen entscheidenden Vorteil: Er bringt ausreichend strukturwirksame Rohfaser in den ersten Schnitt ein und stabilisiert damit die Grundfutterqualität.
Wiesenfuchsschwanz zeigt seine Stärke ab dem zweiten Aufwuchs
Ab dem zweiten Aufwuchs zeigt sich die wahre Stärke der Grasart. Dann dominiert eine blattreiche, hochwertige Masse ohne störende Halmbildung. Aufgrund seiner hohen Schnittverträglichkeit zählt der Wiesenfuchsschwanz zu den wichtigsten Arten für intensiv genutzte Dauerwiesen.
Mit einer Futterwertkennzahl von 7 eignet er sich hervorragend für leistungsorientierte Milchviehbetriebe.
Gesundes Grünlandgras mit hoher Robustheit
Ein weiterer Pluspunkt: Die Grasart bleibt über weite Teile des Jahres gesund und zeigt kaum Blattkrankheiten. Lediglich bei sehr feuchten Herbstbedingungen können ältere Blätter leichte Blattkrankheiten entwickeln.
Aus Sicht der Tiergesundheit ist das jedoch weit weniger problematisch als etwa Rostkrankheiten bei Englischem Raygras oder Wiesenrispe.
Winterhart, robust und standorttolerant
Auch hinsichtlich Winterhärte überzeugt der Wiesenfuchsschwanz. Er ist schneeschimmelfest, robust und kommt sowohl mit trockeneren Standorten als auch mit gut wasserversorgten Wiesen zurecht.
Schwächen zeigt die Art lediglich bei der Nachsaat, da sie sich gegenüber konkurrenzstarken Arten schwer durchsetzen kann.
Fazit: Wiesenfuchsschwanz nicht vorschnell unterschätzen
Wer den Wiesenfuchsschwanz ausschließlich aufgrund seiner frühen Halmbildung beurteilt, unterschätzt sein enormes Potenzial für moderne, intensive Grünlandsysteme deutlich.
Autor: GrünlandPro-Fachexperte Peter Frühwirth
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