Wenn dem Boden die Kühlflüssigkeit ausgeht!

Durch, steigende Bodentemperaturen, geändertes Niederschlagsverhalten sowie Tageshöchsttemperaturen im Juni, kommt es zu einer wesentlich höheren Verdunstung, des im Boden befindlichen Wassers. Ohne ausreichend Wasser, erwärmen sich unsere Böden noch schneller.Unsere Böden vor solchen Erwärmungen zu schützen, wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Reduzierte Bodenbearbeitung, kurze vegetationslose Phasen sowie ein aktives Wurzelwachstum haben eine sehr gute kühlende Wirkung, stellen uns jedoch in der Praxis vor große Herausforderungen.

Maßnahmen müssen gut überlegt und situationsbedingt umgesetzt werden. Das viel erwartete Patentrezept gibt es nicht! Vielmehr wird es notwendig, im Bereich der Technik, der Sortenwahl, der Fruchtfolge mit Hilfe neuer Informationen an jedem Schräubchen zu drehen.

Wie viel Bodenbearbeitung braucht es?

Diese Frage ist angesichts dieser steigenden Verdunstungsrate wichtig, denn durch eine Bearbeitung bei hoher Boden- bzw. Außentemperatur, verlieren wir sehr viel Wasser.
Viele Versuche zeigen, dass sich Zwischenfrüchte nach Getreide in Form von Mähdruschsaat bzw. Drohnensaat sehr gut entwickeln können, obwohl keine Bodenbearbeitung stattfindet. Die Voraussetzungen für solche Methoden, sind jedoch nicht immer gegeben und es sind Maßnahmen wie

z.B.: Die Einarbeitung von Bodenhilfsstoffen (z.B.: Kalk,…), die mechanische Bekämpfung von Wurzelunkräutern oder eine Lockerung des Bodens notwendig.

Hier stellt sich oft die Frage, Grubber oder Pflug?

Bei Betrieben mit einer engen Getreidefruchtfolge kann der Pflug zur Regulierung eine wichtige Rolle spielen. Deren Einsatz im Herbst vor der Aussaat hat sich dabei als sehr effizient gezeigt. Wichtig ist dabei, dass „sauber“ gepflügt wird.

D.h. Biomasse vor dem Pflug gemulcht und wenn es trocken genug ist, flach ein gegrubbert wird.

Die Pflugtiefe hängt in erster Linie von der Bodenfeuchtigkeit ab. In keinem Fall darf eine oberflächliche feuchte Zone unterpflügt werden, um in einen trockeneren Bereich zu kommen. Erdreich aus der Pflugsohle, ist extrem strukturschwach, nährstoffarm und bietet somit keine gute Basis zur Keimung. Ist der Pflug ein fixer Bestandteil im Herbst, so ist bereits bei der Stoppelbearbeitung darauf zu achten, dass es nicht zu einer solchen feuchten Zone kommt.

D.h. hier muss die Stoppelbearbeitung in jedem Fall flach gehalten werden. Unter „sauber“ Pflügen verstehe ich auch, dass kein bestocktes Ausfallgetreide bzw. keine alten Grasbüschel mehr an der Oberfläche sind. Die Geschwindigkeit beim Pflugeinsatz hat dabei Ihre Grenzen und solle maximal 8 km/h betrage, so kann das sogenannte Überwerfen verhindert werden und der Boden hat Zeit, in seiner natürlichen Bruchlinie zu brechen. Der Pflug stellt einen sehr intensiven Eingriff in den Boden dar und soll so optimal, so wenig wie möglich und so schonend wie möglich durchgeführt werden.

Bei Betrieben mit einer aufgelockerten Getreidefruchtfolge und einem hohen Anteil von Sommerungen, kann auf einen Pflugeinsatz weitestgehend verzichtet werden.
Hier tun sich viele Möglichkeiten durch unterschiedliche Grubber- bzw. Scharformen auf. Wichtig ist immer, klar zu definieren, warum ich eine Bodenbearbeitung mache und was ich dadurch bewirken will.

Bei nassen Bedingungen ist jede Bearbeitung zu unterlassen (Erde bleibt beim leichten Zusammendrücken bereits in der gedrückten Form). Was sich künftig ändern wird, dass eine Bearbeitung bei zu trockenen Böden ebenfalls nicht sehr wirkungsvoll sein wird. Vielmehr schaffe ich dadurch das Potential, dass Boden durch Winderosion verweht und stabile Humusverbindungen durch starke Sonneneinstrahlung reduziert werden. Wenn Böden in den obersten 10-15 cm völlig austrocknen, vertrocknen auch aufgelaufen Unkräuter, Ausfallgetreide und andere Gräser. Beim Verbleiben des Strohs am Feld, kann dieses oft eine entsprechende Keimung oben angeführter Pflanzen ermöglichen. Stohstriegel zeigen bei völlig trockenen Böden hier leider auch nur eine bedingte Wirkung.

Eine heranwachsende Vegetation, kann hier oft auf den Boden kühlend wirken. Versuche zeigen, dass Sommerzwischenfrüchte sofern sie ausreichend Bodenwasser zur Keimung haben bei Sommerniederschlag einen guten Wasserspeicher darstellen. Das Argument der hohen Verdunstung hat dabei sicher seine Berechtigung, genau hier brauchen wir neue Sommerzwischenfrüchte, die mit wenig Wasser auskommen.


Es hat sich gezeigt, dass die Beseitigung dieser Sommervegetation durch ein flaches Bearbeiten mit Scheibenegge oder Grubber nahe der Aussaat der Hauptkultur gut möglich ist. Ein tieferer Arbeitsschritt mit einem Schmalschargrubber sorgt dann für eine entsprechende Lockerung des Bodens und die die damit verbundene Aussaat findet gute Bedingungen. Wichtig ist, dass in keinem Fall die Fahrgeschwindigkeit mehr als 8 km/h. betragen soll.

Fazit

  • Böden werden wärmer und dadurch gibt es eine höhere Verdunstung
  • Pflug hat unter bestimmten Bedingungen auch weiterhin seine Bedeutung
  • Wenn Pflug, dann so schonend und flach wie möglich
  • Jede Bodenbearbeitung ist eine Schwächung der Bodengare
  • Wenn Grubber oder Scheibenegge, dann ganz bewusst in Tiefe und Geschwindigkeit einsetzen
  • Reduzierte Verfahren wie Stripp Till und Direktsaat werden an Bedeutung gewinnen, hängt stark von der Fruchtfolge und der Bodenart ab
  • Die Beobachtung unserer Böden wird mehr Zeit in Anspruch nehmen

 

Von Norbert Ecker // Bodenexperte Agrar EN und Landwirt

Von: Bundesland Oberösterreich

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