Lastspitzen im Stromnetz: Warum sie nun zum entscheidenden Kostenfaktor werden können

Mit den aktuellen Änderungen im Energiesystem verändert sich die Logik der Stromkosten grundlegend. Für Betriebe zählt künftig nicht mehr nur die verbrauchte Energiemenge, sondern zunehmend auch die gleichzeitig bezogene Leistung und der Zeitpunkt des Verbrauchs. Netzentgelte werden damit stärker leistungsabhängig – ein Umstand, der Lastspitzen in den Fokus rückt.

Gesetzliche Grundlage und aktuelle Entwicklungen

Die Grundlage dafür bildet in Österreich das Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG) sowie die darauf basierenden Systemnutzungsentgelte-Verordnungen (SNE-VO) der Regulierungsbehörde E-Control. Diese Regelwerke sehen bereits seit Jahren eine leistungsabhängige Komponente vor. Neu ist jedoch die stärkere Gewichtung und Anpassung dieser Leistungspreise im Zuge der aktuellen Netzentgeltentwicklungen, die ab 2025 bzw. 2026 schrittweise wirksam werden. Ziel ist es, das Stromnetz effizienter zu nutzen und hohe gleichzeitige Belastungen zu reduzieren.

Ein Techniker justiert das Display eines Solarwechselrichters in einem Gebäude.

Wie Lastspitzen entstehen und berechnet werden

Lastspitzen entstehen typischerweise beim Einschalten großer Verbraucher oder wenn mehrere energieintensive Prozesse gleichzeitig laufen. In diesen Momenten steigt die benötigte Leistung kurzfristig deutlich an. Für die Abrechnung ist dabei entscheidend, wie hoch die durchschnittliche Leistung innerhalb eines 15-Minuten-Zeitfensters ist. Treffen mehrere hohe Lasten in dieser Phase zusammen, kann dieser Wert erheblich steigen – mit direkten Auswirkungen auf die Netzkosten.

Ab wann Betriebe betroffen sind

Entscheidend für die Praxis ist die Einordnung über die Tarifmodelle der Netzbetreiber: In Österreich erfolgt die Abrechnung bei steigendem Leistungsbedarf nicht mehr ausschließlich über den Energieverbrauch (kWh), sondern zusätzlich über die bezogene Leistung (kW). Grundlage dafür sind die Tarifstrukturen der Netzbetreiber sowie die Vorgaben der E-Control, die bei leistungsgemessenen Kunden eine Abrechnung nach Arbeit und Leistung vorsehen. Das betrifft insbesondere Betriebe mit höherem und gleichzeitigem Strombedarf, wie er auch in der Landwirtschaft vorkommen kann. Beispielsweise können durch den gleichzeitigen Betrieb der Rohrmelkanlage (ca. 5-10 kW), eine Milchkühlung (ca. 20 kW), Lüftungssysteme (ca. 10 kW), Pumpen und Fütterungstechnik (ca. 10–20 kW) sowie weitere Hoftechnik gemeinsam schnell Leistungen von 50-60 kW und mehr erreichen. Dadurch fallen diese Betriebe häufig in Tarifmodelle mit Leistungspreisen.

Intelligente Speicherssysteme vom Maschinenring
PV-Anlage mit Stromspeicher oder nachrüsten - vom Maschinenring

Welche Mehrkosten realistisch sind

Die Höhe der Mehrkosten ergibt sich aus den Leistungspreisen der Netzbetreiber, die in Euro pro kW und Jahr verrechnet werden. Grundlage dafür ist die sogenannte Leistungsmessung: Die bezogene Leistung wird üblicherweise in 15-Minuten-Intervallen erfasst, wobei der höchste dabei gemessene Durchschnittswert die verrechnete Leistung bestimmt. Laut den veröffentlichten Systemnutzungstarifen österreichischer Netzbetreiber – etwa der Salzburg Netz GmbH, Netz Niederösterreich oder Energie Steiermark – liegen diese Leistungspreise typischerweise in einer Größenordnung von rund 25 bis 45 Euro pro kW und Jahr. Die Berechnung ist einfach: Leistung (kW) multipliziert mit dem Leistungspreis (€/kW/Jahr). Ein Minimalbeispiel zeigt die Größenordnung: 60 kW Lastspitze bei 25 €/kW ergeben bereits Mehrkosten von rund 1.500 Euro pro Jahr. Bei großen Betrieben und vielen gleichzeitigen Prozessen sind zusätzliche jährliche Kosten von bis zu mehreren tausend Euro möglich.

Herausforderung für landwirtschaftliche Betriebe

Für viele landwirtschaftliche Betriebe entsteht dadurch eine neue Herausforderung. Produktionsprozesse wie Melken, Kühlen oder Trocknen sind oft zeitlich gebunden und lassen sich nicht beliebig verschieben. Gleichzeitig kann bereits eine einzelne ungünstige Lastkonstellation die Kostenbasis für längere Zeit erhöhen.

Praxislösungen zur Reduktion von Lastspitzen

Umso wichtiger ist es, aktiv gegenzusteuern. In der Praxis gibt es mehrere Ansätze:

  • • Transparenz schaffen: Analyse des eigenen Lastprofils als Grundlage für gezielte Maßnahmen
  • • Zeitliche Entzerrung von Verbrauchern: Große Geräte nicht gleichzeitig starten, sondern bewusst nacheinander betreiben
  • • Lastverschiebung: Energieintensive Prozesse in Zeiten mit geringerer Grundlast legen
  • • Automatisierte Steuerung: Lastmanagementsysteme regeln den Betrieb von Anlagen abhängig von der aktuellen Leistung
  • • Lastspitzenkappung durch Speicher: Kurzfristige Leistungsspitzen gezielt technisch abfedern
Eine Technikerin überprüft eine Solaranlage mit einem Tablet, während zwei Kollegen an der Installation arbeiten.

Speicherlösungen zur aktiven Lastspitzenkappung

Eine besonders wirksame Lösung ist die technische Lastspitzenkappung durch Speichersysteme. Dabei wird ein Stromspeicher eingesetzt, der in Momenten hoher Leistungsanforderung kurzfristig Energie bereitstellt. Anstatt die volle Leistung aus dem Netz zu beziehen, wird ein Teil aus dem Speicher gedeckt. Dadurch sinkt die gemessene Netzleistung genau in der entscheidenden Viertelstunde. Diese Systeme funktionieren unabhängig davon, ob eine Photovoltaikanlage vorhanden ist. Sie können sowohl selbst erzeugten Strom nutzen als auch gezielt aus dem Netz geladen werden – etwa in Zeiten niedriger Auslastung. Für den Betrieb bedeutet das: Lastspitzen werden aktiv geglättet, ohne dass Abläufe verändert oder eingeschränkt werden müssen.

Lastmanagement als wirtschaftlicher Faktor

Lastmanagement entwickelt sich damit vom optionalen Optimierungsthema zu einem zentralen wirtschaftlichen Faktor. Betriebe, die ihre Lastspitzen kennen und aktiv steuern, können ihre Energiekosten nicht nur senken, sondern auch langfristig stabilisieren – ohne Einschränkung der betrieblichen Abläufe.

Energie optimieren mit dem Maschinenring

Der Maschinenring bietet landwirtschaftlichen Betrieben praxisnahe Lösungen, um Lastspitzen gezielt zu reduzieren und Energiekosten nachhaltig zu optimieren. Auf Basis einer fundierten Analyse des Lastprofils werden maßgeschneiderte Konzepte entwickelt – abgestimmt auf die individuellen Anforderungen am Betrieb. Dazu zählen die intelligente Steuerung von Verbrauchern ebenso wie der gezielte Einsatz moderner Speicherlösungen zur Lastspitzenkappung. Planung, Umsetzung und Betreuung erfolgen durch erfahrene Fachkräfte mit landwirtschaftlichem Praxisbezug. So entstehen wirtschaftliche und verlässliche Lösungen, die den Betrieb langfristig entlasten und zukunftssicher aufstellen.

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