Wenn der Hof plötzlich ohne Bauer dasteht
Soziale Betriebshilfe beim Maschinenring Salzburg – wie aus Nachbarschaftshilfe eine wertvolle Freundschaft wird.
Es ist der 2. März 2025 – ein Tag, den Balthasar Meissl vom Perneisslgut in Bischofshofen nie vergessen wird. Eigentlich hätte er als engagierter Skitrainer an diesem Tag seine Schützlinge zur Junioren-Weltmeisterschaft begleiten sollen. Stattdessen endet er selbst als Patient im Krankenhaus: Beim Schlepplift reißt ein Seil und er verletzt sich an der Schulter – alle Innenbänder gerissen. Sechs Wochen Stillstand, danach langsam Physiotherapie. Für den sportlichen, immer aktiven Landwirt ein Schock. Und für seinen Hof eine echte Krise.
Balthasar ist seit den späten 80ern Mitglied beim Maschinenring Salzburg. „Ich fand es schon damals großartig, dass es diese Möglichkeit der Hilfe gibt. Wenn eine Maschine kaputt ist, ist sofort jemand da.“ Auch heute arbeitet er mit Partnerbetrieben vom Ring zusammen – so zum Beispiel beim Gülle ausfahren. „Ein eigenes Fass zahlt sich für meinen Betrieb gar nicht aus“, sagt er. Der Hof umfasst 14 Hektar, davon 7,5 Hektar Grünland, und wird mit Kalbinnenaufzucht geführt. Übernommen hat Balthasar im Jahr 2001 von seiner Mutter. Sein Vater verstarb früh, da war er erst zwölf Jahre alt und musste bereits Verantwortung übernehmen.
Schnell geholfen – unbürokratisch und zuverlässig
Sobald es ihm nach dem Unfall möglich war, meldete er sich bei Margret Wimmer vom Maschinenring Pongau. „Es war unglaublich unkompliziert“, erzählt Balthasar. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir den passenden Helfer gefunden.“ Die SVS übernimmt einen Teil der Kosten und ein weiterer Teil wird vom Land Salzburg gefördert. Es bleibt nur ein überschaubarer Restbetrag, der vom Betrieb getragen werden muss. Der Helfer kommt praktisch vom selben Berg: Anton „Toni“ Steinberger (21) Baumaschinenmechaniker, aufgewachsen auf dem Forstreitgut und mit Herzblut bei der Sache. „Mein eigener Vater hat schon früher beim Maschinenring mitgearbeitet, und ich selbst kenne Balthasar auch schon lange“, erzählt Toni.
Zwei Monate Schulterersatz
Von Anfang März bis Mitte Mai steht Toni Balthasar zur Seite. „Am Anfang hat er mich genau in die Abläufe eingewiesen – jeder Hof macht die Dinge ein bisschen anders. Mir war wichtig, dass ich die Tiere so betreue, wie sie es gewohnt sind.“ Die Kalbinnenaufzucht sei unkomplizierter als Milchvieh, „aber man muss trotzdem auf sehr vieles achten“, weiß der junge, engagierte Mann. Morgens und abends schaut Toni in den Stall, tagsüber stimmten sich beide über Telefon oder WhatsApp ab. Ende Mai kommen die Kalbinnen auf die Alm und der Einsatz am Perneisslgut endet. „Es hat alles super funktioniert“, sagt Balthasar dankbar. „Toni hat immer alles perfekt gemacht.“
Mehr als nur Arbeit
Die Betriebshilfe war nicht nur eine praktische, sondern auch eine menschliche Unterstützung. „Ich bin sehr dankbar, dass Toni da war – und dass der Maschinenring sofort reagiert hat. Es ist auch schön, wenn Jung und Alt Erfahrungen austauschen können“, betont Balthasar. Zum Abschluss und als großes Dankeschön gab es noch ein gemeinsames Grillfest. „Es muss sich für mich natürlich zeitlich mit meinem Beruf vereinbaren lassen, und auch die menschliche Seite muss passen. Wenn beides gegeben ist, springe ich gerne jederzeit wieder ein,“ blickt Toni zurück.
Eine Hilfe, die verbindet
Was als Lösung in einer Notsituation begann, wurde zu einer wertvollen Erfahrung – für beide Seiten. Balthasar konnte seinen Hof weiterführen. Toni konnte helfen, sein Können einbringen, wertvolle Einblicke gewinnen und sich nebenbei auch noch etwas dazuverdienen. So zeigt die soziale Betriebshilfe des Maschinenring Salzburg: Sie ist mehr als nur ein Ersatz – sie ist ein Stück gelebte Gemeinschaft.