Schnittzeitpunkt im Grünland
Nicht der Kalender entscheidet, sondern das Gras
Der optimale Schnittzeitpunkt im Grünland orientiert sich nicht am Datum, sondern am Entwicklungsstand der Gräser. Besonders in trockenen Jahren gewinnt diese Regel zusätzlich an Bedeutung.
Entscheidend für die Futterqualität ist vor allem die Entwicklung von Englischem Raygras, Wiesenrispe und teilweise auch Knaulgras. Sobald diese Arten beginnen zu schossen oder unter Trockenstress ihr Wachstum einstellen, verändert sich die Futterqualität rasch. Trockenheit beschleunigt dabei die Verholzung der Pflanzen oft schon früh im Wachstumsverlauf.
Sommeraufwüchse: Den Bestand genau beobachten
Bei den Sommeraufwüchsen gibt es zwei Anhaltspunkte für den optimalen Mähzeitpunkt. In gut geführten und dichten Beständen beginnen ab einer gewissen Zeit die Blatttriebe von unten herauf aufzuhellen, von hellgrün bis gelbgrün. Ab da sollte unbedingt gemäht werden.
Dazu durch den Bestand gehen und an mehreren Stellen den Pflanzenbestand mit den Händen „teilen“, um einen Blick nach unten zu bekommen.
Der zweite Hinweis liefert in raygras-betontem Grünland das Ährenschieben der Raygräser. Besonders das Bastardraygras neigt zu frühem Ährenschieben, besonders unter trockenen Bedingungen.
Futterqualität: ADFom-Wert im Blick behalten
Ein zentrales Ziel hochwertiger Silage bleibt ein ADFom-Wert von unter 260 g/kg Trockenmasse. Dieser Wert beschreibt den Anteil unverdaulicher Rohfaser und beeinflusst maßgeblich die Energieverfügbarkeit im Grundfutter.
Digitale Hilfsmittel und Wetterfenster nutzen
Neben dem Pflanzenbestand liefern digitale Hilfsmittel zusätzliche Orientierung. Anwendungen wie SatGrass ermöglichen eine Einschätzung der Rohproteinentwicklung sowie des erwarteten Massezuwachses.
Gleichzeitig bleibt der Blick auf die Wetterprognose unverzichtbar: Oft entscheidet ein kurzes Schönwetterfenster über den optimalen Erntezeitpunkt.
Schnittentscheidung bleibt ein Abwägen
In der Praxis bleibt die Schnittentscheidung immer ein Abwägen verschiedener Faktoren. Hinzu kommt, dass Grünlandflächen innerhalb eines Betriebes häufig unterschiedlich entwickelt sind.
Die wichtigste Erkenntnis bleibt daher: Erfolgreiche Grünlandbewirtschaftung beginnt mit dem genauen Beobachten der Pflanzenbestände – nicht mit starren Kalenderterminen.
Autor: GrünlandPro-Fachexperte Peter Frühwirth
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