Leistungsträger mit Anspruch an die Bewirtschaftung

Rotklee ist aus leistungsfähigen Grünlandbeständen kaum wegzudenken. Vor allem in intensiv genutzten Fünf-Schnitt-Systemen liefert er wertvolles Eiweiß, verbessert die Futterqualität und trägt durch seine Fähigkeit zur Stickstoffbindung wesentlich zur Nährstoffversorgung des Bestandes bei. Gleichzeitig gehört er zu jenen Arten, die besonders sensibel auf Bewirtschaftungsfehler reagieren.

An der Belastungsgrenze des Grünlandes

Wer dauerhaft fünf Schnitte pro Jahr anstrebt und in günstigen Jahren sogar sechs Nutzungen realisiert, bewegt sich nahe an der Belastungsgrenze des mitteleuropäischen Dauergrünlandes. Verschärft wird die Situation durch häufigere Trockenperioden und steigende Temperaturen.
Umso wichtiger ist es, dem Rotklee optimale Entwicklungsbedingungen zu bieten. Dazu zählen eine bedarfsgerechte Kalkversorgung, ausreichende Phosphorgehalte im Boden sowie eine schonende Ernte- und Befahrungstechnik. Praktiker empfehlen zudem Schnitthöhen von rund zehn Zentimetern, den Einsatz scharfer Messer und möglichst geringe Bodenbelastungen durch angepassten Reifendruck.

Klee im Detail

Blüte fördert die Ausdauer

Ein häufiger Irrtum in intensiv wirtschaftenden Betrieben ist die Annahme, dass Rotklee niemals zur Blüte kommen dürfe. Tatsächlich kann die Blütenbildung die Ausdauer der Pflanzen fördern.
Kann der Rotklee zwischen den Nutzungen Blüten anlegen, stärkt dies seine Regenerationsfähigkeit und Langlebigkeit. Verzögern Witterungseinflüsse einen geplanten Schnitttermin, kann dies für die Kleepflanzen sogar Vorteile bringen. Zwar sinken dadurch mitunter einzelne Qualitätsparameter des Futters, langfristig profitieren jedoch Bestandserhalt und Ertragsstabilität.
Experten plädieren daher für mehr Verständnis gegenüber den biologischen Bedürfnissen der Futterpflanzen. Grünland sei ein komplexes Ökosystem, das unter zunehmendem Trocken- und Hitzestress stehe. Wer ausschließlich auf maximale Inhaltsstoffwerte fokussiere und die pflanzenbaulichen Zusammenhänge ignoriere, riskiere langfristig Einbußen bei Ertrag und Bestandessicherheit.

Nährstoffe im Kreislauf halten

Für den langfristigen Erfolg intensiv genutzter Grünlandsysteme spielt auch die Nährstoffbilanz eine zentrale Rolle. Mit jedem Schnitt werden erhebliche Mengen an Nährstoffen vom Feld abgefahren, die wieder ersetzt werden müssen.
Ein Landwirt brachte diesen Grundsatz in der Diskussion prägnant auf den Punkt: „Nicht nur wegfahren, sondern auch zurückgeben.“ Hinter diesem einfachen Satz steckt ein zentrales Prinzip nachhaltiger Grünlandbewirtschaftung. Nur wenn entzogene Nährstoffe – insbesondere Phosphor, Kalium und Kalk – regelmäßig ausgeglichen werden, können leistungsfähige Arten wie Rotklee dauerhaft im Bestand gehalten werden. Eine ausgeglichene Nährstoffversorgung stärkt die Konkurrenzkraft der wertvollen Futterpflanzen, erhöht die Ertragssicherheit und trägt wesentlich zur Stabilität intensiver Grünlandsysteme bei.
Gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme gilt daher mehr denn je: Wer hohe Leistungen vom Grünland erwartet, muss auch die Voraussetzungen schaffen, damit die Pflanzen langfristig gesund und leistungsfähig bleiben.

 

Autor: GrünlandPro-Fachexperte Peter Frühwirth

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