Vom Gras ins Glas
Und weit darüber hinaus: Katharina und Jakob Lettner führen das Geisbichlgut in Hallwang mit großem Engagement und beeindruckender Vielfalt. Milchviehhaltung, Direktvermarktung, Schule am Bauernhof, Seminarbäuerin – und seit vielen Jahren auch eng verbunden mit dem Maschinenring. Ein Hof, der zeigt, wie moderne Landwirtschaft, Regionalität und Kreislaufwirtschaft heute gelebt werden können.
Ein Hof mit Geschichte – und einer Entscheidung aus Überzeugung
Katharina und Jakob Lettner übernahmen im Jahr 2019 das Geisbichlgut in Salzburg von Jakobs Großvater. Ein Schritt, der lange nicht gesichert war: Ob eine Übernahme möglich sein würde, blieb über Jahre offen. Klar war für die beiden jedoch immer, dass sie Landwirtschaft betreiben wollten. Heute erfüllt sie die gelungene Weiterführung des Hofes mit sichtbarem Stolz. Katharina stammt aus Vorarlberg und lernte Jakob während ihrer gemeinsamen Schulzeit an der HBLA Ursprung kennen. Dass sie später einmal auf einem Bauernhof leben und arbeiten würde, war nicht vorgezeichnet – sie ist in den Betrieb hineingewachsen und verbindet ihre pädagogische Ausbildung heute auf natürliche Weise mit den vielfältigen Aufgaben des Hofes.
Der Betrieb umfasst 23 Hektar Grünland und zwei Hektar Wald und ist in vielen Bereichen konsequent nachhaltig ausgerichtet. Die neue Stückholzheizung und die 30-kWp-Photovoltaikanlage stehen für einen klaren, energieautarken Weg. Ebenso prägend sind die konsequente Weidehaltung und die Zucht gefährdeter Nutztierrassen.
Milchviehhaltung im Zentrum
Im Zentrum des Betriebes stehen 20 Milchkühe plus Nachzucht – original Montafoner Braunvieh und Fleckvieh. Mit 280 bis 300 Weidetagen pro Jahr setzen Katharina und Jakob auf Tiergesundheit, Langlebigkeit und ein möglichst natürliches Herdenverhalten.
Ein Teil der Milch wird am Hof zu Rohmilch, Joghurt und Käse verarbeitet und direkt verkauft.
Der Großteil geht als Bio-Heumilch an die SalzburgMilch. Ein Beispiel für die Konsequenz des Zuchtgedankens ist die erste gemeinsame Braunviehkuh der beiden: Seit 13 Jahren lebt sie am Hof, ist gekörte Stiermutter und hat zahlreiche Nachzuchttiere hervorgebracht. Es gibt auch Pläne für die Zukunft: langfristig denken Katharina und Jakob über muttergebundene Aufzucht der Kälber mit Ammenkühen nach.
Ein Stall für die Zukunft
Mit dem Neubau des Laufstalles setzten Katharina und Jakob im vergangenen Jahr einen wichtigen Meilenstein. Der Bau startete im Frühjahr 2025, der Einzug der Tiere erfolgte planmäßig im Oktober desselben Jahres. Der neue Liegeboxenlaufstall mit Schrapperentmistung und großzügigem Güllekeller ist in den Hang gebaut – oben die Tiere, darunter die effiziente Lagertechnik. Der 5er-Tandemmelkstand sowie die gesamte Stallarchitektur sind auf horntragende Kühe ausgelegt und ermöglichen ruhige Arbeitsabläufe. Der Neubau entlastet nicht nur die tägliche Arbeit, sondern schafft auch eine langfristig stabile Grundlage für Tierkomfort, Arbeitswirtschaft und Zukunftsentwicklung am Betrieb.
Von Milchprodukten bis Kräutermischungen
Die Direktvermarktung ist ein zentrales Standbein des Geisbichlguts. Im Selbstbedienungshofladen finden sich Rohmilch, Natur- und Fruchtjoghurts, Trinkjoghurt, Topfen sowie Frisch-, Weich- und Schnittkäse und Grillkäse. Ergänzend werden Rind-, Kalb-, Schweine- und Lammfleisch, Suppenhühner, Eier, Nudeln und eine hauseigene Kräutermischung angeboten. Die Schweinehaltung basiert vollständig auf eigener Ferkelaufzucht mit zwei Mutterschweinen und aktuell sechs Masttieren. Den Hof beleben zudem 300 Legehühner in mobilen Eigenbau-Legeställen, Krainer Steinschafe und zwei Ponys – ein vielseitiges Miteinander, das zum Gesamtbild des Betriebes gehört.
Schule am Bauernhof: Landwirtschaft zum Angreifen
Katharina bringt ihre pädagogische Ausbildung gezielt in den Betrieb ein. Als Seminarbäuerin bietet sie Koch- und Backkurse für Kinder an. Als Schule-am-Bauernhof-Betrieb vermittelt sie Themen wie „Vom Gras ins Glas“, „Vom Ei zum Huhn“, Milch- und Käseverarbeitung, Kreislaufwirtschaft und Tierethik – unter anderem für Oberstufenklassen aus der Stadt Salzburg.
Zusätzlich bietet sie jedes Jahr zehn Tage Ferienbetreuung für die Gemeinde Hallwang an. Die Rückmeldungen zeigen, wie wertvoll echte, praxisnahe Landwirtschaft heute für Kinder und Jugendliche geworden ist.
Ein Blick nach vorn
Katharina und Jakob führen ihren Hof mit klaren Überzeugungen: Regionalität, Enkeltauglichkeit, Kreislaufwirtschaft und Tierwohl. Sie denken langfristig, investieren in moderne Technik und bleiben gleichzeitig bei traditionellen Werten. Die Landwirtschaft ist für sie kein Beruf, sondern eine Haltung – und das Geisbichlgut ein Beispiel dafür, wie ein bäuerlicher Familienbetrieb Zukunft aktiv gestalten kann.