Stumpfblättriger Ampfer im Grünland

ausdauernd, unerwünscht, aber nicht unbesiegbar

Der Stumpfblättrige Ampfer (Rumex obtusifolius) gehört zu den lästigsten Unkräutern im Dauergrünland. Und das nicht ohne Grund: Er wird vom Vieh verschmäht und verdrängt wertvolle Gräser und Leguminosen durch seine Ausdauer und enorme Wüchsigkeit. Zudem weist die Pflanze eine geringe Verdaulichkeit und einen niedrigen Energiewert auf. Der Grund hierfür liegt im hohen Gehalt an Oxalsäure und Gerbstoffen. Die Folgen dieser Eigenschaften sind geringere Erträge und die Verschlechterung der Futterqualität.

Ampferpflanze auf einer Wiese

Warum ist der Ampfer so erfolgreich?

Der Erfolg des Ampfers liegt in seiner Biologie. Zum einen bildet er eine kräftige Pfahlwurzel, die nicht nur tief in den Boden reicht, sondern auch Reservestoffe einlagert und dem Ampfer wiederholten Wiederaustrieb ermöglicht. Zum anderen besitzt er ein enormes Samenpotenzial. Eine große Pflanze kann tausende Samen bilden, die im Boden viele Jahre keimfähig bleiben. Lücken in der Grasnarbe werden so rasch von neuen Ampferpflanzen besiedelt. Den Ampfer findet man auf gut ausgedüngten Flächen. Stickstoff und Kalium fördern dabei die Entwicklung besonders gut.

Bekämpfung

Mechanische Bekämpfung

Der klassische Einsatz des Ampfereisens hat sich bei geringer bis mittlerer Befallsstärke nach wie vor bewährt – allerdings nur, wenn die Wurzel mindestens zehn Zentimeter tief entfernt wird. Ansonsten bleiben Erneuerungsknospen am oberen Wurzelstück zurück und die Pflanze treibt erneut aus. Problematisch kann sich der Einsatz von Fräsen oder Kreiseleggen bei starkem Befall auswirken, da aus zerteilten Wurzelstücken mehrere eigenständige Pflanzen entstehen. Der Einsatz des Pfluges bringt hier Vorteile, weil das obere Wurzelstück nicht zerteilt wird und die oberflächlichen Samen besser vergraben werden. Nachteilig ist, dass beim Pflügen im Dauergrünland Boden mit einer geringeren Fruchtbarkeit an die Oberfläche gelangt. Das Umbruchverbot im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Humuserhalt und Bodenschutz im umbruchsfähigen Grünland“ (HBG) ist ebenfalls zu beachten. Ein maschineller Eingriff in den Boden ist dort nicht erlaubt – auch nicht bei massiver Verunkrautung. Ausnahmen gelten nur bei nachweisbarem Schädlingsdruck (z.B. Engerlinge) und auf Flächen bis 300m².

Chemische Bekämpfung

Zeitpunkt ist entscheidend In der konventionellen Landwirtschaft kann die chemische Bekämpfung zum richtigen Zeitpunkt wirkungsvoll eingesetzt werden. Wichtig: Es muss mindestens einen halben Tag regenfrei bleiben und die Temperaturen sollen nicht zu hoch sein, damit die systemisch wirkenden Mittel über den sogenannten Saftstrom bis in die Wurzeln gelangen. Die Pflanze sollte dabei ausreichend Blattmasse haben, um den Wirkstoff aufzunehmen. Eine zu späte Maßnahme ist ebenso ungünstig wie eine zu frühe. Einzelpflanzenbehandlungen sind auch im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Einschränkung ertragssteigernde Betriebsmittel“ (EEB) erlaubt, etwa mit Rückenspritze, Rotowiper oder Rumbojet. Welche Mittel aktuell zugelassen sind, kann im Pflanzenschutzmittelregister der AGES eingesehen werden.

Ein roter Traktor mit einem Mähwerk auf einer sonnigen, grünen Wiese vor einem Wald und Bergen.
vertrocknete Wiese mit Büscheln von grünem Ampfer

Bekämpfung alleine reicht nicht: Nachsaat ist Pflicht

Jede Bekämpfungsmaßnahme muss mit einer Nachsaat kombiniert werden. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass die entstandenen Lücken wieder vom Ampfer oder anderen unerwünschten Arten genutzt werden. Empfehlenswert ist eine Nachsaatmenge von 10–20kg/ha. Englisches Raygras besitzt dabei starke Konkurrenzkraft, um rasch Lücken zu schließen. Voraussetzungen für einen nachhaltigen Einsaaterfolg des Englischen Raygrases sind eine entzugsorientierte Düngung und ein nicht allzu raues Klima. Bei der Sortenwahl sind u.a. Auswinterung, Entwicklungsgeschwindigkeit, Krankheitsanfälligkeit und Masse- bzw. Rohproteinertrag entscheidend. Die Beschreibende Sortenliste der AGES bietet eine gute Orientierung.

Die Nachsaat braucht optimale Bedingungen im Boden

  • Der Kalkung kommt zur pH-Wert-Regulation und zur Ca-Versorgung eine entscheidende Rolle zu.
  • Liegt der pH-Wert unter 5,5, sollte über eine Kalkung nachgedacht werden.
  • Etwa 2t Kohlensaurer Kalk pro Hektar sind empfehlenswert.
  • Je feiner der Kalk vermahlen ist, desto rascher wirkt er.
  • CaO-Gehalte um 50 % sorgen für eine entsprechende Wirkung.
  • Der Magnesiumgehalt des Kalkes sollte in den meisten Fällen niedrig sein, da heimische Böden meist magnesiumreich sind.
  • In Hanglagen sind granulierte Kalke oder Güllekalke günstiger in der Ausbringung.

In weiterer Folge müssen die Samen auf die Bodenoberfläche gelangen. Das Ausstriegeln mit starken Zinken (Durchmesser > 1 cm) ist bei verfilzten Beständen zusätzlich zur Ampferbekämpfung nach dem Folgeschnitt sinnvoll. Die Saatgutablage muss flach erfolgen, denn die Gräser sind Lichtkeimer. Anschließendes Walzen mit einer Profil- oder Gliederwalze sorgt für einen bestmöglichen Bodenschluss. Ein Schröpfschnitt bei rund 15 cm Aufwuchshöhe fördert die Belichtung der Keimlinge und schwächt gleichzeitig den Altbestand. Die Düngung sollte gemäßigt durchgeführt werden, da der Altbestand grundsätzlich mehr davon profitiert als die Nachsaat.

Ein Fachbeitrag von LK-Grünlandexperte DI Matthias Greisberger

 

 

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